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Die Wehrkirche von Ujué

Ein Ort im mittleren Navarra von großer religiöser Bedeutung

Nur fünfundfünfzig Kilometer von Pamplona entfernt, im Osten der Mittelzone von Navarra, befindet sich das Örtchen Ujué. Die Erwartungshaltung an unseren Ausflug war hoch, denn Ujué gehört zum Verband der schönsten Dörfer Spaniens. Die spektakuläre Lage nimmt der Besucher bereits bei der Anfahrt wahr. Das Dorf liegt in 840 Meter Höhe (über Null) an einem steilen Berghang, der gekrönt ist von einer mächtigen Wehrkirche. Rund um diese fast einer Burg ähnlichen Anlage drängen sich die Häuser des Ortes und bilden schmale gepflasterte Gassen, Terrassen und Treppen. In den sechziger Jahren gab es hier noch an die tausend Einwohner. Heute sind etwa 200 übrig geblieben. Das alte Lied von der Landflucht. Die jungen Menschen gehen weg, die Alten harren aus, solange es geht. In den letzten Jahren wurden einige der Häuser zu Ferienwohnungen umgebaut. Das bringt wenigstens zeitweilig junges, neues Leben.

Alles ist irgendwie steil in diesem Dorf: der Aufstieg durch schmale Gassen und Treppen, der Zugang zur Wehrkirche rechts

Die Anfänge der Kirche Santa Maria liegen im 11. Jahrhundert. Damals war es noch eine ganz normale Kirche. Die Befestigungsmauern und damit der Ausbau zu einer Wehrkirche folgten erst im 14. Jahrhundert. Deshalb sind an der Iglesia Santa Maria romanische und auch gotische Stilelemente vorhanden. Insgesamt wurde am Sanktuarium Santa Maria mehrere Jahrhunderte lang (natürlich mit großen Unterbrechungen) gebaut. Heute ist es Nationaldenkmal und ein besonders schönes Beispiel navarrischer mittelalterlicher Architektur. Von den Türmen der Wehrkirche sind zwei erhalten geblieben: der „Turm der Berge“ und der „Turm der vier Winde“. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über die Ribera de Navarra, das weitläufige Tal des Ebro-Flusses, bis hin zu den Pyrenäen.

Die mächtigen Mauern des Wehrganges und gotische Elemente an den Durchgängen zum Hauptraum der Kirche

Man betritt die Kirche durch das wunderbare Hauptportal, wandelt durch mächtige Wehrgänge und findet im Inneren einige Besonderheiten wie eine barocke, prachtvolle Kanzel aus dem 18. Jahrhundert, einen emaillierten Silberkelch, ein Rokokogestühl (1774) und schlussendlich die romanische Statue der Virgen von Ujué, eine Marienfigur aus Holz aus dem Jahr 1190, eine der schönsten und ältesten romanischen Skulpturen Navarras. Letzterer gilt die Verehrung der ganzen Umgebung. Ihr zu Ehren findet eine der ältesten und emotionalsten Maria-Wallfahrten Navarras statt, während der die Teilnehmer aus den umliegenden Orten Pitilla, Tafalla, Olite und weiteren, in schwarze Talare mit Kapuzen gehüllt, barfüßig schwere Kreuze und eiserne Ketten schleppen.

Bleibt noch eine Vitrine zu erwähnen, in der das Herz Karl II. „dem Bösen“ aufbewahrt und gezeigt wird. Es war jener, der die Kirche Santa Maria im 14. Jahrhundert zur Wehrkirche ausbauen ließ. Seinen nicht gerade schmeichelhaften Beinamen verdankt er seinen französischen Feinden. Man sagte ihm nach, er habe versucht, die Könige von Kastilien und von Frankreich zu ermorden.

Der prachtvolle barocke Altar aus dem 18. Jahrhundert und eine schmale typische Gasse für Ujué (alle Fotos vom Autor)

Der Spaziergang bergab von der Wehrkirche durch die steinernen Gassen des Dorfes ist vielleicht nicht ganz so anstrengend wie bergauf, dennoch nicht zu unterschätzen. Gelegenheit nochmals, sich die Fassaden der mittelalterlichen Häuser – manche mit schönen Wappen, manche schlicht, andere eher überladen - in Ruhe zu betrachten. Unterwegs verkauft vielleicht ein Einwohner gebrannte Mandeln und zufällig führt der Weg an einer Bar vorbei, die unter Umständen „Migas de Pastor“ anbietet, ein altes Hirtengericht mit Brot, Schinken, Wasser, Salz und Schafsschmalz. Es ist sehr beliebt hier und gibt garantiert neue Kraft für weitere Unternehmungen ...

 

Bodega Cooperativa San Martin

Pioniere der Genossenschaftsbewegung

Es gibt wohl kaum ein beliebteres Neben-Ausflugsziel als eine Weinprobe in einer echten Bodega. Das sorgt erstens für mehr Wissen um das edle Getränk und sorgt zweitens stets für gute Laune. Auch wir konnten der Versuchung nicht widerstehen und fuhren von Ujué die paar Kilometer weiter bis nach San Martin de Unx, ein Dorf mit jahrhundertealter Geschichte. Doch welches Dorf in Spanien kann das nicht von sich sagen? So ließen wir diesmal – Geschichte hin oder her – den Ort links oder rechts liegen und eilten direkt zur Bodega San Martin, wo wir bereits erwartet wurden.

Die Bodega Cooperativa San Martin de Unx

Bei der freundlichen Begrüßung erfuhren wir wie nebenbei bereits wissenswerte Fakten wie zum Beispiel das Gründungsjahr der Kooperative mit 1914 und dass die Mitglieder zusammen über 839 Hektar Weingärten verfügen. Mit dieser beachtlichen Fläche und guter Arbeit ist es den Weinbauern von San Martin de Unx gelungen, zu den wenigen Ortschaften zu gehören, wo der Weinanbau zugleich die Haupteinkommensquelle der Einwohner ist. Mit ihrem nachweislichen Erfolg gehören sie damit zu den Pionieren der Genossenschaftsbewegung.

Die mächtigen Edelstahltanks zur Gärung und rechts die Holzfässer, in denen der Wein gelagert wird (alle Aufnahmen vom Autor)

Dann folgte eine kleine Führung, bei der wir alle Produktionsschritte des Weins zu sehen bekamen, also Maische, Kelterung, die Gärung in riesigen Edelstahltanks bis hin zur Abfüllung oder Reifung und Lagerung. Vor dem Kauf kommt natürlich das Kosten, also die Weinprobe, die schon für uns vorbereitet war. Zur Probe standen junge Rot-, Rosé- und Weißweine (Markenname „Ilargares“), wie sie der Hauptproduktkette der Bodega entsprachen. Ein angenehmer Geschmack und ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis verführten viele von uns, sich mit Weinen der Bodega San Martin einzudecken, wie es auch viele Kunden regelmäßig tun. Wie sich wohl jeder denken kann, ging es anschließend bei bester Stimmung zurück nach Pamplona. PS

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